Programm September - Dezember 2009

Diese Termine haben schon stattgefunden: 9.11. Monika Hauser / Margot Käßmann    2.11. Reinhard Kaiser    26.10. Pieke Biermann / Stefan Wittke    19.10. Tina Uebel    12.10. Jens Hoffmann    5.10. Andreas Maier    28.9. Christoph Biermann / Jörg Schmadtke    21.9. Herfried Münkler    14.9. John Wray

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Karten an der Abendkasse

Eintrittskarten erhalten Sie bei uns (in aller Regel) nur an der Abendkasse – am Tag der Veranstaltung ab 19:00 Uhr.

Mo | 23.11.2009 | ATLAS DER LITERATUREN

Sjón (Autor/Songtexter, Reykjavík)

Saga und Surrealismus

Dichten für Björk

Über die Liedtexte von David Bowie und die Island-Sagas fand Sigurjón Birgir Sigurðsson zur Poesie. Als Sjón – isländisch für Vision – veröffentlichte er im Alter von 16 Jahren seinen ersten Gedichtband. Er gehörte zu den Gründern der Lyrikergruppe Medusa, die sich an Dada, Surrealismus, absurdem Theater und Punk orientierte. Als Musiker trat Sjón u.a. mit den Sugarcubes als Johnny Triumph im Hit Luftgitar in Erscheinung. Später schrieb er Songtexte für den isländischen Weltstar Björk, die Stimme der Sugarcubes, was ihn ohne Frage zu einem der auflagenstärksten Lyriker der Welt macht. Seine Texte für Lars von Triers Film Dancer in the Dark wurden gar für den Oscar nominiert. Im Jahr 2005 erhielt er den Literaturpreis des Nordischen Rats für seinen Roman Skugga-Baldur (Schattenfuchs): eine mythisch anmutende Geschichte um einen Jäger, eine Füchsin und eine behinderte junge Frau. Sie spielt im Jahr 1883. Aufgeklärtes Denken trifft auf eine archaische Lebenswelt und wird mit der Gewalt der Natur konfrontiert. Eine finstere Saga, ein schauriges Panorama vom Leben und Sterben in Island. Arthúr Björgvin Bollason ist Autor eines Reisebegleiters, der die literarischen Landschaften Islands durchmisst. Er moderiert das Gespräch über Islands Mythen und Mysterien, das Dichten für Björk und die am Boden liegende Ökonomie der Insel im hohen Norden. Passagen aus Schattenfuchs sowie eine Auswahl der ins Deutsche übertragenen Gedichte liest der Schauspieler Rainer Strecker, bekannt für seine Hörbuch-Interpretation der Tintenherz-Trilogie von Cornelia Funke.

Ort: Conti-Hochaus, 14. Etage
Königsworther Platz 1
Beginn: 20 Uhr
Eintritt: 7 EUR / 5 EUR

Mit freundlicher Unterstützung von Icelandair

Mi | 25.11.2009 |    leider abgesagt

Christian Ulmen (Schauspieler, Berlin)

Unter uns und unter Ulmen

Wir wissen noch gar nicht so genau, wer von beiden uns denn heimsuchen wird: der Meister selbst oder seine Kreatur.

So begann unser Programmtext, in dem wir Sie auf eine rätselhafte Begegnung mit einem schillernden Gast einstimmen wollten. Inzwischen hat UWE alias Christian Ulmen leider mitteilen lassen: keiner von beiden wird uns heimsuchen; der Meister schramme am Rand eines Burn-Outs entlang und habe Entschleunigung verordnet bekommen. – Der Unfug frisst seine Kinder ..

Ort: Jugendkirche Hannover,
An der Lutherkirche 11 (Nordstadt)
Beginn: 20 Uhr
Eintritt: 10 EUR
Karten nur an der Abendkasse (ab 19 Uhr)

Mo | 30.11.2009 | KULTURPHÄNOMENE

Wolfgang Engler (Soziologe/Publizist, Berlin)

Schwindel erregende Geschäfte

Die »Lüge als Prinzip« als Webfehler des Kapitals

Die jüngste Havarie der globalen Finanzmaschinerie haben ja zuletzt einige zu erklären versucht, besonders mit der maßlosen Gier auf den schnellen Profit in wahnwitziger Höhe. Und das war's? Kaum, und so wirkten diese blitzschnell paraten Analysen auch eher reflexhaft als reflektiert: Wahlweise nur »einige wenige« oder eben »die Manager« insgesamt waren für das Schurkenstück als Sündenböcke vorgesehen. Nun muss Wolfgang Engler schon in seiner Funktion als Rektor der berühmten Schauspielschule >Ernst Busch< jeder allzu flinken Inszenierung misstrauen. Der umtriebige Publizist, der mit Bürger, ohne Arbeit zuletzt der Ideologie der Vollbeschäftigung nachgeforscht hatte, hat sich im Gegensatz zu vielen anderen Zeit gelassen für den Finanz-Crash: In seinem jüngsten Buch Lüge als Prinzip spürt Engler einem zentralen Begriff der bürgerlichen Kultur und Selbstvergewisserung nach: der Aufrichtigkeit. Sie war – anders als in höfischen Gesellschaften – wichtige Formel für den Umgang unter freien und gleichen Menschen. Diese Utopie wurde jedoch schon bald entsorgt, zugunsten der absoluten Herrschaft einer »unsichtbaren Hand des Marktes«. Durch diese und durch Verträge sollte allzu radikaler und damit gesellschaftsschädlicher Eigennutz eingehegt werden. Der Abschied vom Konzept der Aufrichtigkeit allerdings machte die Lüge systemimmanent. Nun gelte es, an das verschüttete sozialmoralische Erbe des Kapitalismus anzuknüpfen, damit er mehrheitsfähig bleibt, konstatiert Engler als Soziologe. Beim Ausbuddeln hilft Jens Meyer.

Ort: Conti-Hochaus, 14. Etage
Königsworther Platz 1
Beginn: 20 Uhr
Eintritt: 7 EUR / 5 EUR

Di | 8.12.2009 | KULTURPHÄNOMENE     geänderter Termin

Michael Rosentritt (Sportjournalist, Berlin)
Ursula Nuber (Psychologin/Journalistin, Hirschberg)

Das schwarze Loch der Freiheit

Der »Fall Deisler« oder: Depression als Syndrom

Wir erinnern uns – der Fußball-Star Sebastian Deisler verschwand sozusagen in aller Öffentlichkeit, medial geschmückt mit einer Diagnosenkette: Verletzung, Labilität, Burn Out, Erschöpfungssyndrom. Und schließlich Depression. So war das Wort endlich auch in der Fußballwelt angekommen. Dass das so bleibt, will Deisler selbst. Er hat dem Tagesspiegel-Journalisten Michael Rosentritt über Monate Einblicke in ein kompliziertes Leben und Leiden gegeben, nachzulesen in Sebastian Deisler. Zurück ins Leben. – Depression wird inzwischen als Volkskrankheit deklariert und wäre damit ein gesellschaftliches Phänomen. Der Einzelfall kann ein Brennglas sein für die Sicht auf das Ganze: Werte wie Leistung, Verfügbarkeit, Motivation und auch Kreativität wurden dem Profi-Fußballer Deisler im Höchstmaß abgefordert; sie gelten aber auch für die Gesellschaft insgesamt als unerlässlich. Wird unter diesen Bedingungen Freiheit ein Ozean der Optionen, in den zwar jeder nur vorstellbare Lebensentwurf mündet, wo er allerdings auch gnadenlos auf seine Tragfähigkeit getestet wird? Dann könnte Freiheit zu einem Schwarzen Loch werden, in dem Das erschöpfte Selbst – so der Titel einer Studie über Depression und Gesellschaft des französischen Soziologen Alain Ehrenberg – traurig versinkt. Von Ursula Nuber stammt der Sachbuch-Bestseller Depression. Die verkannte Krankheit, sie ist praktizierende Psychologin und zugleich stellvertretende Chefredakteurin der Zeitschrift Psychologie heute. Unsere Gäste diskutieren über steigende Ansprüche der Gesellschaft an das Selbst und seine Seele.

Ort: Conti-Hochaus, 14. Etage
Königsworther Platz 1
Beginn: 20 Uhr
Eintritt: 7 EUR / 5 EUR