Programm Februar — Mai 2010
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Karten an der Abendkasse

Eintrittskarten erhalten Sie bei uns nur an der Abendkasse – am Tag der Veranstaltung ab 19 Uhr.

Mo | 15.2.2010 | KULTURPHÄNOMENE

Karin Lochte (Polarforscherin, Bremerhaven)
Gerhard Berz (Geo-Risikoforscher, München)

Gut behauptet

Kapriolen um den wissenschaftlichen Klimakonsens

Keine Spur von (Er-)Lösung: Zum Ausklang des Jahrzehnts bescherte sich die Weltgemeinschaft einen gescheiterten Klimagipfel.

Und schon im Vorfeld von Kopenhagen sahen wir triumphierend grinsende Klimaskeptiker und achselzuckende Umweltaktivisten: Gehackte E-Mails führender Klimaforscher deuteten auf polierte Datenreihen und unterdrückte Abweichungen hin, eine Pause in der Erderwärmung wurde konstatiert, das Zwei-Grad-Limit für wissenschaftlich nicht haltbar erklärt. Wie soll, fragte sich das Laienpublikum, die Politik einen tatkräftigen Konsens beschließen, wenn schon die Klimaforschung ein dissonantes Lagebild liefert?

Zwei ihrer Exponenten beobachten den Klimawandel aus erster Hand: Die Biologin Karin Lochte leitet das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven, der Meteorologe Gerhard Berz hat die Abteilung für Geo-Risikoforschung bei der Münchener Rückversicherung aufgebaut. – Nach der Evidenz des Klimawandels und der Komplexität seiner Erforschung fragt Eckhard Stasch.

In Kooperation mit der Stiftung Leben & Umwelt

Ort: Conti-Hochaus, 14. Etage
Königsworther Platz 1
Beginn: 20 Uhr
Eintritt: 7 EUR / 5 EUR

Mo | 22.2.2010 | STUDIO NEUN.ZEHN

Peter Kurzeck (Autor, Frankfurt am Main)

Keiner stirbt

Von der Angst, etwas zu vergessen

Peter Kurzeck gilt als Solitär in der literarischen Landschaft Deutschlands. Im Zentrum seiner schriftstellerischen Tätigkeit steht ohne Zweifel die Erinnerungsarbeit, das Konservieren der eigenen gelebten Zeit.

Seine Romane und Erzählungen sind stark autobiografisch geprägt. Sie erzählen von der Kindheit in der hessischen Provinz und berichten von seinen Anfängen als Schriftsteller in Frankfurt am Main. Sie bilden eine Art persönliche Chronik: von den Nachkriegsjahren über die alte Bundesrepublik bis in die Gegenwart.

In seiner eigenwilligen Sprache ist Kurzeck dabei nicht auf eine Handlung fixiert, womit er an Autoren wie Alfred Döblin, Arno Schmidt oder Uwe Johnson erinnert. 2008 hat Kurzeck die CD Der Sommer, der bleibt veröffentlicht, ein Roman, der ausschließlich in akustischer Form existiert.

Martin Büsser, Literaturwissenschaftler und Musikjournalist, moderiert diesen Abend. Er stellt fest, dass „sich Kurzecks Sprache bei einer Lesung in Musik verwandelt“ und dass es auch beim Lesen möglich ist, „häppchenweise dem Klang zu folgen.“

Ort: Conti-Hochaus, 14. Etage
Königsworther Platz 1
Beginn: 20 Uhr
Eintritt: 7 EUR / 5 EUR

Mo | 1.3.2010 | ATLAS DER LITERATUREN

Ulrich Blumenbach, Christian Hansen (literarische Übersetzer, Basel und Berlin)

Übersetzen am Rande des Weltsinns

»Unendlicher Spaß« und »2666« in deutscher Übertragung

Meteoritengleich haben zwei Werke im vergangenen Buchherbst bei uns eingeschlagen: Unendlicher Spaß von David Foster Wallace und 2666 von Roberto Bolaño. Beide sind in jeder Hinsicht gewaltig: 1500 Seiten dick das eine, 1100 das andere, hoch komplex und von so überbordendem artistischen Eigensinn, dass man sie im gleichen Atemzug als literarische Monstren und als Meilensteine der Weltliteratur bezeichnet hat.

Beide stehen für uns heute als literarische Vermächtnisse da. Bolaño verstarb 2003, DFW (seine Initialen klingen so emblematisch wie JFK) beging 2008 Selbstmord. Eine Metamorphose von Leben in Text. Die sich umkehren lässt: „Wenn Sie nach einem Monat Lektüre aus diesen Seiten heraustreten, sind Sie ein besserer Mensch,“ berichtet freimütig der Schriftsteller Dave Eggers.

Wie ergeht es erst Lesern, die über drei bzw. sechs Jahre in diesen Werken zubgebracht, dem Klang jeder Silbe, den semantischen Finessen jedes Wortes, Ballance und Rhythmus eines jeden Satzes nachgespürt haben? Die Übersetzer Christian Hansen (Bolaño) und Ulrich Blumenbach (DFW) berichten.

Ort: Conti-Hochaus, 14. Etage
Königsworther Platz 1
Beginn: 20 Uhr
Eintritt: 7 EUR / 5 EUR

Mo | 8.3.2010 | Salon by Gartenheim!

Walter von Lucadou (Physiker/Psychologe, Freiburg)

Spuk im Labor

Parapsychologie erforscht rätselhafte Phänomene

Vorahnungen, Wahrträume, Spuk – 60 Prozent unserer Mitmenschen kennen solche »paranormalen« Erlebnisse. Zwar ist die Hochphase von Mesmerismus und Spiritismus längst vorbei, als sich die Avantgarden ostentativ dem Reiz des Okkulten hingaben. Und sich – als Disziplin im Schnittbereich von Natur- und Geisteswissenschaften – die Parapsychologie begründete, um mit größter rationaler Strenge zu klären, was wirklich »dran ist« an übersinnlichen Erscheinungen.

Doch obschon seither viele Rätsel gelüftet und Scharlatane überführt worden sind, bleibt bis in unsere Tage ein – je nach Standpunkt ärgerlicher oder faszinierender – Rest an Tatsachen, die mit etablierten Modellen nicht erklärt werden.

Walter von Lucadou, akademischer Sproß der traditionsreichen Freiburger Parapsychologie, hat sich darauf spezialisiert, bei solchen Psi-Phänomenen genau hinzuschauen. Eckhard Stasch erkundigt sich nach der Alltäglichkeit des Phantastischen und dem Numinosen in Mensch und Natur.

Ort: Wohnungsunternehmen Gartenheim
Hildesheimer Str. 142
Beginn: 20 Uhr
Eintritt: 7 EUR / 5 EUR

Mo | 15.3.2010 | KULTURPHÄNOMENE

Weert Canzler (Mobilitätsforscher, Berlin)
Wolfgang Müller-Pietralla (Automobil-Futurologe, Wolfsburg)

Im Eilschritt zum Vernunftauto

Forscher entwerfen die Zukunft der (Auto-)Mobilität

Das Auto ist ja nicht nur Fortbewegungsmittel, sondern auch kulturelles Symbol: komplexes Zeichen für einen favorisierten Lebensstil. Und da hat man es in den Nuller Jahren nochmal so richtig krachen lassen. Als gelte es, den Menetekeln der Knappheit ein markiges Statement entgegenzusetzen, klotzten die Hersteller im Premiumsegment und schoben reihenweise großkalibrige Limousinen, Offroader und Sportwagen in die Auslagen: Bahn frei, ihr Kleinmütigen! Da geht noch was! – Dann kam das Muffensausen, nicht nur in Zuffenhausen.

Der aktuelle Umbruch in der Automobilindustrie ist dramatisch und überfällig. In Kürze durchbricht der weltweite KFZ-Bestand die Milliardengrenze, die industriellen Schwellenländer erleben ihr automobiles Frühlingserwachen. Die Blaupause für eine Massenmobilität dieser Größenordnung ist erst in Umrissen bekannt. Wo geht die Reise hin?

Wolfgang Müller-Pietralla, Leiter der Abteilung Zukunftsforschung und Trendtransfer bei der Volkswagen AG, und Weert Canzler, alternativer Mobilitätsforscher am Wissenschaftszentrum Berlin, lassen Eckhard Stasch in ihre Skizzenblöcke schauen.

Ort: Conti-Hochaus, 14. Etage
Königsworther Platz 1
Beginn: 20 Uhr
Eintritt: 7 EUR / 5 EUR

Mo | 22.3.2010 | IN MEDIA RES

Mathias Mertens (Medienwissenschaftler, Göttingen)
Bernt Schnettler (Soziologe, Bayreuth)

Phrasenschleuder für Millionen

25 Jahre PowerPoint

Was hat die Kulturkritik nicht alles an Häme ausgeschüttet über diese Killerapplikation für multimediale Lichtbildvorträge: Sie formatiere das Denken, dampfe komplexe Zusammenhänge zu Bullet-Listen ein, verleite zum Abfackeln visueller Kinkerlitzchen und versetze die so berieselten Zuhörer in eine zeit- und ortlose Duldungsstarre.

Doch das Erfolgsgeheimnis von PowerPoint ist ja gerade die Kommunikationsvermeidung: Wenn in der Aufmerksamkeitsökonomie unserer projektorientierten Wissensgesellschaft schon auf Gedeih und Verderb präsentiert werden muss, hilft PowerPoint als digitaler Spickzettel und rhetorisches Business-Kostüm, sich perfekt präpariert und aalglatt aus der Affäre zu ziehen.

Erst die technische Panne schafft dann jene dramatischen Momente, in denen Sprecher und Auditorium in Urzeiten der Face-to-Face-Kommunikation zurückgebeamt werden und merken, was sie aneinander haben. — Zwei Medienforscher im Dialog über ein Medienphänomen.

Ort: Conti-Hochaus, 14. Etage
Königsworther Platz 1
Beginn: 20 Uhr
Eintritt: 7 EUR / 5 EUR

Mo | 29.3.2010 | STUDIO NEUN.ZEHN

Clemens Meyer (Autor, Leipzig)

Gewalten

Ein Tagebuch

»Meine Geschichten sollen leuchten!« sagt Clemens Meyer. Sein Debütroman Als wir träumten warf 2006 sein Licht auf eine Leipziger Plattenbausiedlung. Helden waren eine Gang kleinkrimineller, adoleszenter Rabauken, die nicht nur die Wende des Systems erlebten, sondern auch ihre persönlichen Wende zum Erwachsenwerden durchlebten. Ohne jeden Anflug von Sozialkitsch gelang es dem Autor von einem Milieu zu erzählen, das eigentlich als nicht literaturfähig gilt.

Trotzdem war das Buch Favorit für den Preis der Leipziger Buchmesse, doch erst für die 2008 folgenden Erzählungen Die Nacht, die Lichter sollte Meyer den Preis erhalten. Sein Freudenschrei mit hochgereckter Bierflasche nahm damals in der Berichterstattung fast mehr Raum ein als das Lob für seine Kunstfertigkeit in der »kleinen« Form, der Story.

Nun legt Clemens Meyer mit Gewalten ein ganz eigenes Tagebuch des Jahres 2009 vor: literarische Einträge über das Ende der Träume und den Fall der Aufsteiger. Matthias Nolte spricht mit Clemens Meyer über Krisen, Tod, Krankheiten, das Wetter, Terror, Pandemien und Weltkriege.

Ort: Conti-Hochaus, 14. Etage
Königsworther Platz 1
Beginn: 20 Uhr
Eintritt: 7 EUR / 5 EUR

Mo | 12.4.2010 | ATLAS DER LITERATUREN

Samson Koni Kambalu (Autor/Künstler, London)

Jive Talker

Künstler im Herz der Finsternis

Jive steht umgangssprachlich für irreführendes, leeres oder großspuriges Gerede. Der Jive Talker in Samson Kambalus gleichnamigem autobiographischen Roman ist sein Vater, Aaron Elisa Kambalu. Der muss seinen Traum, Doktor zu werden, gegen eine Anstellung als Hilfsarzt und eine immer größer werdende Familie eintauschen.

Aber er besitzt eine Bibliothek und impft seinem Sprössling einen nie versiegenden Optimismus und den Drang zum Philosophieren ein. So liest Samson bereits als Teenager Nietzsche mit Vorliebe auf dem Klo und denkt sich seine eigene Religion aus, den Holyballismus. Jive Talker ist die sprühende, mit irrwitzigem Humor geschriebene Lebensgeschichte Samson Kambalus, der in Malawi aufwuchs und auszog, Künstler zu werden. Der »Holy Ball«, ein mit Seiten aus der Bibel beklebter Ball, ist sein bekanntestes Kunstwerk und hüpft inzwischen über alle Erdteile.

Moderieren wird das gedolmetschte Gespräch Jochen Stöckmann, der sich für das DeutschlandRadio mit moderner Kunst beschäftigt. Die deutschen Passagen liest der Schauspieler Asad Schwarz-Msesilamba.

Ort: Conti-Hochaus, 14. Etage
Königsworther Platz 1
Beginn: 20 Uhr
Eintritt: 7 EUR / 5 EUR

Mo | 19.4.2010 | ATLAS DER LITERATUREN

Andrea De Carlo (Autor, Mailand)

Am Leben weben

Der Roman »Als Durante kam« hinterfragt das kleine Glück

Das Tal, das Andrea De Carlo in Als Durante kam beschreibt, es könnte eine Idylle sein. In Äquidistanz zu Italiens metropolen Kraftzentren Mailand und Rom ist dieses Val di Poggio zwar kein Paradies. Die Winter sind zu hart und die Sommer zu heiß; und Wind, Sonne und Regen backen einen zu harten Beton aus dem schweren Lehm der braunen Hügel. Aber: Man hat seine Ruhe.

Wie Pietro und Astrid, die an alten Handwebstühlen Stoffe weben, pflanzengefärbt. Gleichzeitig weben sie mit Kunstfertigkeit an ihrem recht gemächlich gewordenen autonomen, emanzipierten und postrevolutionären Dasein. Bis Durante kommt. Der sagt, was er denkt. Und er tut, was er sagt.

Wie kaum jemand versteht es der 1952 geborene De Carlo, den Utopien und Verlusten, den Einsichten und Ängsten seiner Generation nachzuspüren. Weshalb seine 15 Romane weltweit bekannt sind, millionenfach aufgelegt, übersetzt in mehr als 20 Sprachen. De Carlo liest auf italienisch, die deutsche Version hören wir von Hörspiel-Legende Matthias Haase, das Gespräch mit De Carlo dolmetscht und moderiert die Romanistin Stephanie Neu.

Ort: Conti-Hochaus, 14. Etage
Königsworther Platz 1
Beginn: 20 Uhr
Eintritt: 7 EUR / 5 EUR

Mo | 26.4.2010 | STUDIO NEUN.ZEHN

Helene Hegemann (Autorin, Berlin)
Ulrike Ostermeyer (Lektorin, Berlin)

Also, diese Jugend von heute

Beschrieben in »Axolotl Roadkill«, geschrieben mit siebzehn

Na, aber sicher. Helene Hegemanns Roman-Debüt Axolotl Roadkill hat den Küken-Bonus gar nicht nötig, auf dem man fleißig herumreiten wird: Sooo jung! Und darf man daran überhaupt vorbei? Am Alter einer Autorin, von der ein Drama uraufgeführt wurde, als sie 15 war. Die mit 16 für ihren Film TORPEDO den Ophüls-Preis bekam. Und die jetzt, mit 18, diesen Roman abliefert.

Der spielt in Berlin, klar. Es geht um schlechte Drogen, kaputten Sex und reichlich wohlstandsverwahrloste junge Menschen, okay. Und die 16-jährige Romanheldin Mifti knallt in ihrem tagelangen Taumeltakt zwischen Albtraum und Realität durch Clubs wie das »Berghain«, durch allerlei Szenelofts und Hipster-Läden. Egal. Was dieses Debüt ausmacht, ist der präzise, enorm wortmächtige Ton: so hirnversaust wie Schlingensief, so distinktionssicher wie Dietmar Dath und so durchgedreht wie Rene Polleschs Theaterpersonal.

Dass aus diesem kaum fassbaren Wortgewitter ein Buch wurde, ist ein echtes Fräuleinwunder, das sich Jens Meyer von Autorin und Lektorin erklären lässt.

Ort: Conti-Hochaus, 14. Etage
Königsworther Platz 1
Beginn: 20 Uhr
Eintritt: 7 EUR / 5 EUR

Mo | 3.5.2010 | ATLAS DER LITERATUREN

Steve Toltz (Autor, Paris)

Vatermord und andere Familienvergnügen

Die aberwitzige Geschichte der Familie Dean

Zwei Fragen haben Steve Toltz beim Schreiben seines Romans Vatermord und andere Familienvergnügen beschäftigt. Erstens: Wie fühlen sich Kinder von Menschen, denen die Medien das Leben zur Hölle machen? Und zweitens: Auf welche Weise rebelliert ein Kind, dessen Eltern selbst Rebellen waren?

Jasper Dean, Sohn, sitzt im Gefängnis und erzählt von den Jahren, als er sein wollte wie sein Onkel Terry, ein Polizistenmörder, der zum beliebtesten Volkshelden des Landes avancierte. Kein Wunder, dass Jaspers Vater alles daransetzte, als Australiens größter Wohltäter gleichzuziehen. Jasper wurde Zeuge seines Scheiterns – und erzählt nun die ungeschminkte Geschichte der Deans.

Steve Toltz wurde 1972 in Sydney geboren. Er lebte in Montreal, Vancouver, New York, Barcelona und Paris, wo er als Privatdetektiv, Kameramann, Telefonverkäufer, Sicherheitsbediensteter, Englischlehrer und Drehbuchautor tätig war. Vatermord war für den Booker Prize nominiert und ist laut Independet »ein Roman, der die Geheimnisse des Lebens zu kennen scheint.« – Wir hoffen, dass Ulrich Matthes Zeit hat, die deutschen Passagen zu lesen.

Ort: Conti-Hochaus, 14. Etage
Königsworther Platz 1
Beginn: 20 Uhr
Eintritt: 7 EUR / 5 EUR

Mo | 10.5.2010 | Salon by Gartenheim!

Peter Zudeick (Satiriker, Bonn/Berlin)

Tschüss, ihr da oben

Satirischer Wochenrückblick, öffentlich-rechtlich

Peter Zudeick war Streifenpolizist und hat auf der Polizeischule Abitur gemacht. Heute ist er der allseits anerkannte Ordnungshüter in Sachen Politikberichterstattung, wenn er in seinem Satirischen Wochenrückblick das übliche Politgesabbel kunstvoll zerpflückt und resampelt. Mit erkennbarer Häme und einiger Frechheit tritt er dort in einen entlarvenden Dialog mit unseren Politikern.

Zudeick, der über Ernst Bloch promovierte, ist ein Philosoph auf Streife. Er beliefert mit seinen Radio-Kunststücken, seinen Berichten, Analysen und Kommentaren seit 1985 fast alle ARD-Anstalten. Jetzt wagt sich unser Gast in seinem Buch Tschüss, ihr da oben. Vom baldigen Ende des Kapitalismus daran, über den Mangel an Tugend und Demokratie in unserem konkurrenzlos seligmachenden Wirtschaftssystem zu philosophieren. Ein System, das die Forderung nach mehr Gerechtigkeit stets mit der blöden Vokabel Neid abbügelt. Über Spott und Hohn, den Geist der Utopie und das Prinzip Hoffnung spricht Matthias Nolte mit Peter Zudeick.

Ort: Wohnungsunternehmen Gartenheim
Hildesheimer Str. 142
Beginn: 20 Uhr
Eintritt: 7 EUR / 5 EUR

Mo | 17.5.2010 | IN MEDIA RES

Franz Hutsch (Kriegsreporter, Buxtehude)

Die Schäferhunde des Krieges

Man spricht wieder deutsch in der Söldnergilde

In Deutschland hat man ja mit nachgerade scholastischem Eifer darum gezankt, was denn einen Krieg vom kriegsähnlichen Zustand bzw. vom bewaffneten innerstaatlichen Konflikt bzw. vom robusten humanitären Einsatz unterscheidet. Da ist so mancher Landsmann schon viel weiter. Egal, wie es heißt – zuallererst ist das Ganze ein Handwerk bzw. ein Job bzw. ein Geschäft. Man kann viel Geld verdienen; die Branche der »privaten Sicherheitsdienstleister« köchelt an vielen Konflikten herum.

Die schwarze Brühe, die dabei ausgekocht wird, richten dann Söldnerfirmen mit so klingenden Namen wie »Blackwater« an. Zwischen deren und all jenen anderen "Hunden des Krieges" tummeln sich immer mehr Deutsche. Hat Franz Hutsch festgestellt, der als Kriegsreporter zuletzt aus Irak und Afghanistan berichtete.

Sein Buch mit dem leider erschreckend treffenden Titel »Exportschlager Tod« erzählt von Hutschs preisgekrönten Recherchen über den Krieg als Geschäft. Im Salon öffnet Hutsch für Jens Meyer sein Marschgepäck, prall gefüllt mit Doku-Material über die Privatisierung der Gewalt im Zuge der »Neuen Kriege« unserer Zeit.

Ort: Conti-Hochaus, 14. Etage
Königsworther Platz 1
Beginn: 20 Uhr
Eintritt: 7 EUR / 5 EUR

Freitag | 21.5.2010 | 21 Uhr

Tobias Meister, Tobias Kluckert (Schauspieler/Synchronsprecher, Berlin)
Orchester im Treppenhaus, dirigiert von Thomas Posth (Hannover)

Gute Nachtgeschichten

Eine orchestrierte Lesenacht mit Brad Pitt, Joaquin Phoenix, Boris Vian, T. C. Boyle,
Heinz Strunk, Clemens Meyer, Feridoun Zaimoglu, Rainald Götz, Anton Webern,
Arvo Pärt, Johann Sebastian Bach et. al.

Sechs Texte von sechs Autoren, zwei Stimmen, ein Orchester – zum Programmschluss und mit dem Sommer vor der Tür feiern wir ein sinfonisch-literarisches Hochamt der Literatur. Brad Pitt und Joaquin Phoenix erzählen uns – mit ihren deutschen Stimmen – von Nächten in Paris, den USA, in der norddeutschen Provinz, in Leipzig, Kiel und auf den Balearen.

Eine Textcollage, vom Salon im letzten Jahr zusammengestellt für das Niedersächsische Literaturfest der VGH-Stiftung, erlebt in der Lutherkirche die Wiederaufnahme: Stories um Liebe, Alkohol, Drogen, Gewalt, Sex-Klubs und Beach-Parties, begleitet von einem ganzen Orchester.

Ort: Jugendkirche Hannover,
An der Lutherkirche 11 (Nordstadt)
Beginn: 21 Uhr
Eintritt: 10 EUR
Karten nur an der Abendkasse (ab 19:30 Uhr)

schon gelaufen

Diese Termine haben schon stattgefunden und sind im Archiv dokumentiert.

Mo | 8.2.2010 | STUDIO NEUN.ZEHN

Uwe Timm (Autor, München)

Von Anfang und Ende

Über die Lesbarkeit der Welt

Uwe Timm ist ein grandioser Erzähler. Das wissen wir aus seinen vielen Romanen, Erzählungen und Novellen. Dass er außerdem erfolgreiche Dreh- und Kinderbücher geschrieben hat, zeugt von seiner Vielseitigkeit.

Neben den literarischen Texten hat Timm zahlreiche poetologische Reflexionen verfasst. Auf Einladung der Goethe-Universität Frankfurt hielt er 2009 im legendären »Adorno-Hörsaal« fünf Vorlesungen zur Poetik, die unter dem Titel Von Anfang und Ende. Über die Lesbarkeit der Welt erschienen sind. Der Hörsaal war überfüllt, wie seit Kampfzeiten nicht mehr.

Timms Vorträge ermöglichen detailierte Einblicke in die Entstehungsgeschichte(n) seiner Romane. Sie geben Auskunft über persönliche Schreibanstöße, Fundsachen und das sich immer wieder stellende Problem des Anfangs. Timm berichtet über Denkmalstürze und seine 1974 in Heißer Sommer begonnene, bis heute anhaltende literarische Auseinandersetzung mit '68. Matthias Nolte fragt Uwe Timm, warum es für ihn kein Ende des Erzählens gibt.

Ort: Conti-Hochaus, 14. Etage
Königsworther Platz 1
Beginn: 20 Uhr
Eintritt: 7 EUR / 5 EUR

Mo | 1.2.2010 | IN MEDIA RES

Jasmin Ramadan (Autorin, Hamburg)

Adam Bousdoukos (Schauspieler/Drehbuchautor, Hamburg)

SOUL KITCHEN für die Kiezkollegen

Ein Buch vor und ein Drehbuch für Fatih Akins Film

Auf dem Kiez ist es immer gut, wenn ein paar Leute dazu kommen, die man so kennt. Könnte sich der in Hamburg groß und inzwischen weltberühmt gewordene Fatih Akin gedacht haben. Also hat er seinen alten Freund Adam Bousdoukos am Drehbuch von SOUL KITCHEN beteiligt, ihm zweitens die Hauptrolle verpasst und drittens Jasmin Ramadan aktiviert, eine alte Schulfreundin.

Herausgekommen ist so – neben einer international preisgekrönten Komödie – mal was Neues in Sachen Film und Literatur. Nämlich ein »Buch vor dem Film«, Titel: Soul Kitchen. Ramadan erfindet in ihrem Roman die literarische Vorgeschichte zu Akins Film. Sie erzählt – rasant und sehr lässig – eine Coming-of-age-Geschichte, die von Hamburg über die Kykladen bis in die Karibik führt. Ramadans Romanheld heißt Zinos, und das ist eben jener Zinos, der uns im Kino als schicksalsgeplagter Restaurantbesitzer wiederbegegnet, dort gespielt von Adam Bousdoukos.

Ein Abend mit Text, Musik und Filmschnipseln über Buch bzw. Script, moderiert vom Altonaer Kiezkollegen und Kulturagenten Alexander Perrey.

Ort: Conti-Hochaus, 14. Etage
Königsworther Platz 1
Beginn: 20 Uhr
Eintritt: 7 EUR / 5 EUR